WinterSchool 1 PDF Drucken E-Mail

WinterSchool 1 in Berlar – frostig waren nur die Temperaturen

Wer Ende Januar ins Sauerland fährt, der weiß was ihn erwartet. Die Plätze unter dem Wärmepilz in der Reithalle
waren bei eisigen Minustemperaturen dicht umlagert. Die eigenen Pferde durften zuhause bleiben. Bei der
WinterSchool drückten mal die Reiter die Schulbank. Es waren zwei Tage mit vielen erstaunlichen Erkenntnissen.

Die richtige Aufstellung, sie ist  nicht nur für Fußballnationaltrainer Joachim Löw entscheidend. Auch der Pferdebesitzer
kann dabei wertvolle Punkte liegen lassen – um in der Sportsprache zu bleiben.

Ob aufmerksames Pony mit geschwungenem Rücken und guter Oberlinie des Halses oder gelangweiltes, vorderlastiges
Pferd: Auch bei der Präsentation eines Isländers hängt der erste Eindruck ganz wesentlich von demjenigen ab, der am
anderen Ende der Leine, sprich des Führstricks, ruckelt.

Will man es gut machen, dann sind Wissen und Training gefragt.

Das war nur ein „Aha-Erlebnis“ für die 22 Teilnehmer der ersten WinterSchool in Berlar, deren Teilnehmerzahl bewusst begrenzt
worden ist. Angeleitet von Elisabeth Berger und Janne Böckmann und unterstützt von vielen zwei- und vierbeinigen Mitarbeitern
der Reitschule, ging es nicht um das Büffeln von trockenem Fachwissen. „ Wir schauen uns die Pferde mal an, aber von der
eher positiven Seite“, so die einleitenden Worte von Janne. Und diese freundliche Grundstimmung, der Blick mit dem
„liebevollen Auge des Islandpferdefreundes“ - Zitat Elisabeth Berger - zog sich durch das gesamte Wochenende.
Fehler bemerken – aber nicht um jeden Preis suchen. Das war das Motto und so sollte es öfter sein.

Was es im Seminarraum und in der Reithalle zu sehen und hören gab, bleibt sonst eigentlich nur IPZV-Trainern vorbehalten.
Diesmal durfte der bewusst klein gehaltene Kreis von Kursusteilnehmern einmal selbst Pferde aus ganz unterschiedlichen
Einsatzbereichen vergleichen und bewerten. Tierärztin, Freizeitreiter und Hobbyzüchter diskutierten nicht nur über

Gebäude, Gangqualität, Charakter und Leistungsbereitschaft. Sie griffen auch beherzt zu, denn Anfassen war bei der
WinterSchool unbedingt erwünscht. So war der Unterschied zwischen einem matten und einem  tragfähigen Rücken aus
der Distanz manchmal nur schwer zu erkennen. Unter den eigenen Händen erfühlten ihn aber alle sofort.
Aber: sind solche Gebäudemängel wirklich in jedem Fall schlimm?

Die Antwort lautet „Jein“: Ein zweiter Blick lohnt sich oft. Nicht immer stört der dicke Hals beim Reiten. Und so manches
kurzbeinige Puschel-Pony wirkt unter dem Sattel mindestens zehn Zentimeter größer.

Ein perfektes Pferd kann es also gar nicht geben. Nicht für jeden ist die temperamentvolle Elite-Stute mit hoher Aktion das
Maß der Dinge. Wo das Herz des Sportcracks lacht, rutscht das des Freizeitreiters ganz schnell in die Hose. Nach einem
langen Arbeitstag, freut man sich beim Ausritt im Wald vielleicht eher über den Kumpel mit bequemen Tölt und flachem Galopp.

Wie gut, dass die Vielfalt des Islandpferdes so einzigartig ist.

Vor dem Pferdekauf ist es also immer gut, sich ehrlich zu fragen: was passt zu mir? Wer dann noch weiß, welche
Gebäudemängel den Traum vom Turniersieg in weite Ferne rücken lassen, der ist gut dran.

Nach dem Ende der Ersten Winter School in Berlar freuen sich die meisten Teilnehmer schon auf die Fortsetzung im Februar.
Vielleicht hat der eine oder andere nach der Heimkehr sein Pferd im Stall etwas genauer angeschaut. Liebevoll wurde dabei
hoffentlich festgestellt: ich habe das beste Pferd der Welt!!! Und wenn nicht: dann weiß er nach der WinterSchool nun
zumindest genau, worauf er beim nächsten Pferdekauf achten sollte.

Ein Bericht von Claudia Wietfeld und einen Film dazu gibt es in der Rubrik Videothek !